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Gartenschätze

Was ist gesünder als frisch geerntete Wildpflanzen?

Wir möchten Ihnen Kräuter und essbare Pflanzen vorstellen, die aktuell in unseren Gärten wachsen:
ein paar Hintergrundinformationen zur Pflanze und Rezeptideen dazu.
Kennen Sie das eine oder andere Kraut, das gerade in ihrem Garten oder auf ihrem Balkon wächst? Vielleicht haben Sie Lust mitzumachen?
Schicken Sie uns doch ein Foto davon, Hintergrundinformation oder Rezeptideen.
So können wir uns gegenseitig mit Tipps und Ideen versorgen, wie wir mit einer Extraportion Vitamine und Mineralstoffe uns versorgen.

Wildkräuter

Quellbild anzeigen„Malve im Gemüsegarten, lässt den Doktor draußen warten“, dieses Sprichwort beschreibt die große Wertschätzung dieser Pflanze. Schon im Mittelalter nannte man sie „Omnimorbia“, die Heilpflanze für alle Krankheiten. Den Namen Käsepappel erhielt sie durch das Aussehen der Früchte, die an Käselaibchen erinnern. Diese wurden früher zu einem nahrhaften Brei, dem „Papp“, verarbeitet.

Die Malve ist genau das richtige Kräutlein, wenn der Frosch mal wieder im Hals steckt. Dank Schleim und Gerbstoffen wirkt sie reizmildernd bei Heiserkeit und Husten.
Hierzu die Blüten im Kaltansatz zubereiten, da sonst die Schleimstoffe zerstört werden. Man übergießt einen Esslöffel Blüten und Blätter mit 200 ml kaltem Wasser und lässt den Tee 6-12 Stunden ziehen. Nach dem Abseihen nur noch leicht erwärmen. Der lauwarme Tee eignet sich auch zum Gurgeln.
Bei Magenbeschwerden hilft auch eine Rollkur. Auf nüchternen Magen trinkt man eine große Tasse Malventee. Danach legt man sich hin und bleibt für jeweils fünf Minuten erst auf dem Rücken liegen, dann dreht man sich auf die linke Seite, danach auf den Bauch und zuletzt die rechte Seite.

Bewährte Rezepte:

Erkältungstee
Blütenbutter
Blütensalz

Vogelmiere wächst und wächst ohne Rücksicht auf die Jahreszeit. Sie gehört zu den sogenannten Zeigerpflanzen und signalisiert, dass es sich hier um lockeren, humus- und nährstoffreichen Boden handelt. Ihre stets feuchten Stängel und Blätter sind daher ein lebendes Mulchkraut für den Gemüsegarten, das den Boden feucht hält und vor Austrocknung schützt. Hühner und Vögel sind ganz verrückt nach der Miere, deswegen heißt sie auch Vogerlsalat, Gänse- oder Zeiserlkraut.
Vogelmiere lässt sich ganz einfach wie Kresse im Blumenkasten kultivieren und ist als Blumenkastenschmuck erstaunlich dekorativ.

Vogelmiere gilt als Indikator für das Wetter, da sie ihre Blüten gegen 9 Uhr nur öffnet, wenn gutes Wetter zu erwarten ist – bei herannahendem Regen bleiben die Blüten geschlossen.

Vogelmiere ist nicht nur wegen des Geschmacks nach Mais ein delikates Wildgemüse, sondern auch wegen des hohen Mineralstoff- und Vitamingehaltes. So hat dieses „Unkraut“ neben vielen anderen wertvollen Inhaltsstoffen doppelt so viel Kalzium, dreimal soviel Kalium und Magnesium und siebenmal so viel Eisen wie Kopfsalat.

Bewährte Rezepte:

Tiroler Unkrautstrudel

Wer unterm Hollerbusch schläft, sieht in der Nacht die Elfen tanzen und die Zwerge werkeln. Viele Geschichten und Märchen ranken sich um den Holunder. Eine Göttin namens Holda oder Holle gab ihm den Namen. Der Holunder galt als Sitz der guten Hausgeister, deshalb durfte er auf keinem Hof fehlen. Sie sollten über das Wohl von Pflanzen und Tieren wachen sowie Blitz und Donner von Häusern und Scheunen fern halten.

Auch als Heilpflanze hat der Holunder eine lange Tradition. Bereits in der Antike galt er als universell einsetzbare Arzneipflanze und galt durch seine vielfältigen Einsatzmöglichkeiten als „Apotheke der armen Leute“.

Im Loferer Rezeptbuch aus dem 18. Jahrhundert wird Hollerblütenwasser für ein gutes Gedächtnis empfohlen:
„Hollerpliewasser hat große Kraft, so man es morgens und abends trinkt. Das bringt wider die verlorene Sine aus den Hirn und schärft die Verständigkeit und stockt die Gedanken“.

Heute schätzen wir vor allem die fiebersenkende und schweißtreibende Kraft der Blüten bei Erkältungskrankheiten . Der Saft der schwarzen Holunderbeeren wirkt durch ihren hohen Vitamin C-Gehalt immunstärkend und schützt uns in der kalte Jahreszeit vor Infekten. Die Farbstoffe, die die Beeren dunkel färben, wirken virenhemmend, antioxidativ und entzündungshemmend. Es muss also nicht immer Rotwein sein, um die gesundheitlichen Vorzüge der roten Farbstoffe zu genießen.

Bewährte Rezepte:

Holler-Küchlein
Holler-Sirup
Holunder-Glühpunsch

Wer denkt bei Waldmeister schon an Kaffee! Und doch, beide sind miteinander verwandt. Sie sind beide Mitglieder der botanischen Familie Rötegewächse.

Waldmeister wächst unter Bäumen, Büchschen und Sträuchern. Dank der unterirdischen Ausläufer verbreitet er sich mühelos. Er lässt sich auch gut in Blumentöpfen ziehen – Hauptsache es ist nicht zu sonnig.

Sind Menschen griesgrämig und verbreiten Unmut im Haus, so streue man Waldmeister auf die Zimmerböden, lege Büschel zwischen die Wäsche und stopfe sie in Matratzen, so wird im ganzen Haus Herzlichkeit einziehen – meinten die Kräuterhexen.
Das liegt am Cumarin, das dem Waldmeister den typischen Duft von Heu gibt und der Maibowle das unvergleichliche Aroma. Man sollte Waldmeister allerdings nicht in größeren Mengen zu sich nehmen, denn er kann Kopfschmerzen und Schwindel verursachen. Sollte man allerdings von der Maibowle Kopfschmerzen bekommen, wird es wahrscheinlich am Wein liegen …

Waldmeister sollte man nach dem Pflücken trocknen lassen, damit es sein volles Aroma entwickelt. Zusammen mit Lavendel, Minze und Rosenblüten ist Waldmeister ein ideales Füllmittel für entspannende Schlafkissen. Früher gehörte der Waldmeister zu den Kräutern, die man „Mariä Bettstroh“ genannt hat. Die Bezeichnung geht auf eine alte Sitte zurück, diese Kräuter in Kissen und Matratzen von Wöchnerinnen zu stopfen. Sie sollten die Geburt erleichtern.

Viele kennen noch aus ihrer Kindheit das beliebte Brausepulver, mit dem man so herrlich die Zunge grün färben konnte. Dieser künstlich hergestellte Waldmeistergeschmack kommt aber bei weitem nicht an das Aroma eines selbst gemachten Waldmeistersirups heran. Und sollte man die fies grüne Farbe vermissen, hilft man mit Farbstoff nach.

Bewährte Rezepte:

Waldmeistersahne
Maibowle
Wackelpudding
Waldmeistersirup

Schon im Februar kann man die kleinen dunkelgrünen Blattrosetten entdecken. Im zweiten Lebensjahr wächst die Rauke dann schnell empor und bildet kleine weiße Blüten. Ihrem intensiven Geruch verdankt die Knoblauchrauke auch ihren Namen. Allerdings ist sie nicht mit dem Knoblauch verwandt, sondern mit der Brunnen- und Gartenkresse. Etwas schärfer im Geschmack sind die kleinen schwarzen Samen, die die Pflanze ab Juli bildet. Wer es scharf mag, kann die kleinen Schoten, in denen sich die Samen befinden, auch gut trocknen; sie lassen sich wie Pfefferkörner verwenden. Ganz mild und sehr dekorativ sind dagegen die Blüten, mit denen man Salate dekorieren kann. Die Blätter sollte man immer frisch verwenden, da sich der würzige Geschmack schnell verflüchtigt.

Bewährte Rezepte:
Knoblauchraukenessig
Wiesen-Chips
Wilde Knoblauchbutter

Löwenzahn

Als Heilmittel hat Löwenzahn einen guten Ruf, denn seine Blätter strotzen geradezu vor gesunden Inhaltsstoffen. Als besonders wirksam gilt in der Naturheilkunde vor allem der Bitterstoff Taraxacin, der dem Löwenzahn seinen typischen Geschmack gibt und der Gesundheit ausgesprochen gut tut.

Beinahe sprichwörtlich ist seine entwässernde Eigenschaft. In Frankreich nennt man ihn auch „piss-en-lit“, also „Bettnassmacher“. Dass Löwenzahn auch einem trägen Darm auf die Sprünge hilft verdankt er vor allem seinem hohen Gehalt an Inulin. Dieser Ballaststoff füttert die guten Darmbakterien und hält sie gesund. Mit seinen stoffwechselanregenden Bitterstoffen unterstützt der Löwenzahn die Verdauung und reduziert nach reichhaltigen Mahlzeiten das Völlegefühl.

Löwenzahn ist nicht jedermanns Sache. Er hat ziemlich kräftige Blätter und einen herzhaft-bitteren Geschmack. Hinsichtlich des Vitalstoffgehalts können es jedoch nur wenige Lebensmittel mit ihm aufnehmen. Er enthält viel Vitamin C sowie Provitamin A und verfügt über einen hohen Gehalt an Magnesium, Kalium und Phosphor.

Doch man muss keine Beschwerden haben, um den Löwenzahn zu genießen. Die jungen Blätter eignen sich hervorragend für frühlingshafte Salate. Und als Dekoration streut man einfach noch ein paar gelbe Blütenblätter oben drauf. Gelee

Bewährte Rezepte:
Löwenzahnsirup
Löwenzahn_Magenbitter

Kindergedicht „Angsthasen“

Zwei Hasen saßen auf dem Rasen
Um denselben abzugrasen.
Der eine spricht: Ich denk daran,
Hier gibt es soviel Löwenzahn!
Drum fürcht ich schon die ganze Weile,
Hier seien noch mehr Löwenteile!

Der andre spricht:
Ich hoff, dass ich dich nicht vergraul,
Denn ich fand grad ein Löwenmaul.
Ich denke mir die ganze Zeit,
Der Rest vom Löwen ist nicht weit.

Da zitterten die beiden Hasen,
Das sie nicht mehr weiterfraßen.

Oft verfluchen wir sie, wenn wir an ihre feinen Brennhaaren kommen. Schon bei der leichtesten Berührung brechen sie ab und spritzen Histamine und Ameisensäure unter die Haut. Jeder kennt das! Dabei sind Brennesseln sehr wichtig für unser Ökosystem, sind Nahrungspflanzen für die Raupen zahlreicher Schmetterlinge.

Brennesseln (ohne Samen!) sind ein wertvoller Bestandteil des Kompost. Junge zerschnittene Pflanzen eignen sich hervorragend als Mulch zwischen Gemüsepflanzen. Regenwürmer lieben verrottende Brennesseln auf ihrem Speiseplan und lockern während ihrer Mahlzeit ganz nebenbei den Boden auf.

Brennnesseljauche ist ein hervorragender Biodünger, der die Gemüsepflanzen gegen Schädlings- und Pilzbefall widerstandsfähiger macht. Zur Herstellung übergießt man einen Kübel Brennesseln mit Wasser. Die Brühe muss täglich umgerührt werden. Es entwickelt sich anfangs Schaum und leider auch ein sehr unangenehmer Geruch. Nach 2-3 Wochen ist die Gärung abgeschlossen und die Brühe kann 1:10 verdünnt als Dünger verwendet werden.

Um die Brennessel zu genießen sollte man zuvor die Brennhaare abbrechen. Dazu gibt es verschiedene Möglichkeiten: mit einer Teigrolle über die Blätter rollen oder mit einem Messer drüber streichen, im Mixer pürieren oder Blätter kurz aufkochen.

Die Brennessel ist eine der am vielfältigsten nutzbaren Wildpflanzen und unglaublich gesund! Sie ist sehr nahrhaft und enthält bis zu 40% Eiweiß. Somit ist die Brennessel besonders für Veganer und Vegetarier eine wertvolle Eiweißquelle. Aber auch sonst ist sie ein kleines Wunderpaket voll mit Mineralstoffen, Vitaminen und Spurenelementen.

Brennesselsamen sind ein wahrer Booster bei Müdigkeit und Leistungsschwäche. Es ist überliefert, dass im Mittelalter Mönchen und Nonnen die Einnahme von Brennesselsamen verboten war…

Bewährte Rezepte:
Brennnessel-Haarwasser
Grüne Pflanzl
Kartoffelgratin
Überbackene Pfannkuchen
Brennnesseljauche

Giersch wird auch von überzeugten Naturgärtnern als Unkraut bezeichnet. Überall, wo der Boden nährstoffreich ist, wächst er ungebremst. Hacken führt nur dazu, dass die Wurzelstücke neue Pflanzen bilden. Auch Ausreißen hilft da nichts, aber „Aufessen“ ist eine Möglichkeit.

Giersch vereint alles, was sich ein Gärtner wünscht: er braucht keine Pflege, wächst in Mengen vom Frühling bis in den Herbst und lässt sich durchgehend ernten. Er schmeckt ähnlich wie Petersilie und lässt sich auch genauso verwenden.
Giersch war früher ein viel verwendetes Wildgemüse, lange bevor Spinat im 16. Jahr-hundert aus Asien eingeführt wurde.

Giersch nutzte man nicht nur als Gemüse, sondern auch als Heilkraut. Das sogenannte „Zipperleinkraut“ wurde im Mittelalter als Heilmittel gegen Gicht und Rheuma eingesetzt. Ein Umschlag aus gequetschten Blättern linderte die schmerzhaften Beschwerden und ein Tee aus Blättern und Wurzeln unterstützte durch seine leicht harntreibende Wirkung den Heilungsprozess.

Aus Giersch lässt sich ein sommerliches Erfrischungsgetränk zubereiten, das sogar Cola-verwöhnte Kinder gerne trinken: den Wiesendudler.

Bewährte Rezepte:
Wiesendudler
Giersch-Maultaschen
Nudelauflauf

Pfarrer Künzle (1857-1945) verehrte ihn als „eine der stärksten und gewaltigsten Medizinen in des Herrgotts Apotheke“. Nach ihm sollten „ewig Kränkelnde, Skrophulöse und Bleichsüchtige, die aussehen, wie wenn sie schon im Grabe gelegen und von den Hennen wieder hervorgescharrt worden wären, den Bärlauch verehren wie Gold, denn sie werden nach seinem Genuss aufblühen wie ein Rosenspalier oder aufgehen wie Tannenzapfen in der Sonne … “

Wegen des starken Geruchs wurde Bärlauch schon im Mittelalter als „vertreibende Kraft“ genutzt, insbesondere gegen Vampire und andere Blutsauger. Wer einen Dieb im Traum sehen will, binde vor dem Schlafengehen Bärlauch und Brot an seinen linken Arm. Dann wird ihm der Dieb im Traum erscheinen.

Es sind die ätherischen Öle, die aus Schwefelverbindungen bestehen und den typischen Geruch ausmachen. Dem Bärlauch wird nachgesagt, dass er den Stoffwechsel und die Verdauung fördert. Er unterstützt die Blutzirkulation und lässt Stoffwechselabfall-produkte besser abtransportieren und ist somit ideal für eine Frühjahrskur.

Bärlauch gedeiht prächtig im Garten, wenn er unter eine Hecke gepflanzt wird. Die Samenkörnchen des Bärlauchs haben kleine Anhängsel, die für Ameisen ein
Leckerbissen sind. Sie schleppen die Körnchen zu ihren Burgen und auf diese Weise erobert der Bärlauch ganz schnell neue Standorte.

Achtung – zum Verwechseln ähnlich!
Bärlauch kann mit Maiglöckchen und Herbstzeitlosen verwechselt werden.
Bärlauchblätter sind lang gestielt und stehen einzeln. Maiglöckchenblätter beginnen fast unmittelbar über dem Erdboden und umschließen den Blütenschaft.
Die Herbstzeitlose hat mehrere, meist drei eher tulpenartige Blätter an einem Stängel, sie sind vorne stumpf.
Man erkennt Bärlauchblätter zwar gut am Knoblauchgeruch, aber sobald Sie mehrere Blätter gepflückt haben, riechen auch die Hände nach Knoblauch. Wichtig ist es daher, dass Sie beim Sammeln genau hinschauen und die Blätter einzeln pflücken und nicht büschelweise schneiden.

Bärlauch schmeckt einfach gut und lockt hinaus ins Freie zum Sammeln. Und außerdem ist er ein leckeres Wildgemüse, aus dem sich so allerlei zaubern lässt.

Bewährte Rezepte:
Bärlauch-Pesto
Bärlauch-Suppe
Bärlauch-Aufstrich